Bielefeld-Marathon: Neues aus der Provinz

Es gibt mal wieder Neuigkeiten zum Bielefeld-Marathon – und die entwickeln sich immer mehr zur Provinz-Posse. Im Mai schrieb ich ja schon mal etwas zu den beiden geplanten Marathons in Bielefeld in 2010 und 2011. Beim „Elfer“ tut sich nicht viel, was aber kein schlechtes Zeichen ist. Ich nehme mal an, dass dort alles mehr oder weniger rund läuft und man in vielleicht einem Jahr konkreteres weiß. Die Strecke wird wohl aber vermutlich leider so unattraktiv bleiben wie sie vor einem Jahr angekündigt wurde.

Der 2010er Marathon ist aber nach wie vor so ein Fall, bei dem man nicht weiß, ob man lieber lachen oder weinen soll. Lachen, weil manches, was so durch die Presse geht, so dermaßen dilettantisch klingt – und weinen, weil ein Marathon in Bielefeld natürlich eine sehr schöne Sache wäre.

Seit Mai ist eine Menge passiert. Zunächst wurde die Strecke, die auf sechs verwinkelten Runden durch die Bielefeder Altstadt führen sollte, – erwartungsgemäß – gekickt. Eine zweite Strecke wurde präsentiert, dieses Mal sollte Start und Ziel an der Uni sein und die Kilometer auf zwei langen Halbmarathonrunden eingesammelt werden. Der vermutlich ernst gemeinte Werbespruch „mit 22 Höhenmetern die zur Zeit flachste Marathonstrecke der Welt“ für die erste Streckenvariante wurde aufgrund der Streckenänderung eingetauscht in den vermutlich ebenfalls ernst gemeinten neuen Spruch: „Mit 90 Höhenmetern einer der z.Zt. schönsten Marathons der Welt.“ Ah ja.

Dann gab es diverses Hickhack um den Halbmarathon. Offenbar hatte man es nämlich nicht nur versäumt, sich mal mit den Verantwortlichen bei der Stadt Bielefeld bzgl. Streckengenehmigung an einen Tisch zu setzen, auch den Leichtathletik-Verband, der einen offiziellen Lauf ebenfalls genehmigen muss, hatte man wohl vergessen. Jedenfalls sollte am gleichen Datum (10.10.2010) in Salzkotten ein Halbmarathon gelaufen werden, was bedeutete, dass nach Verbandsstatuten zwei gleiche Distanzen in zu geringer Entfernung ausgetragen werden sollten. Kurzerhand wurde der Halbmarathon in Bielefeld gecancelt und den schon gemeldeten Startern ihr Startgeld zurücküberwiesen. Irgendwie wurde dann jedoch noch eine Einigung mit Salzkotten erzielt, die ihren Lauf verlegten, so dass man sich kurze Zeit später nun doch wieder für den Halbmarathon melden konnte.

Die Strecke an der Uni wurde nun also wieder offiziell mit Marathon und Halbmarathon beworben. Leider legten nun aber die Bielefelder Verkehrsbetriebe ihr Veto ein – hatte man hier gar schon wieder jemand übergangen?

Vor ein paar Tagen gab es eine erneute Pressekonferenz. Als neuer Kooperationspartner wurde Arminia Bielefeld präsentiert. Bei den Sponsoren hingegen scheint sich das Karussel auch zu drehen: Der lange angekündigte Sponsor Carolinen Brunnen heißt nun auf einmal Christinen Brunnen. Und der „Charity-Partner“ Bethel, ebenfalls lange kommuniziert, fehlt nun vollständig.

Immerhin hat man nun schon 222 Teilnehmeranmeldungen (Stand: 28.01.), von denen 165 den Marathon laufen wollen. (Wer noch nicht angemeldet ist, muss also noch nicht gleich ob des Teilnehmerlimits von 25.000 in Panik verfallen. ;-)) Allerdings weiß noch niemand, wo er bzw. sie denn dann laufen wird: Mittlerweile gibt es nämlich so etwas wie einen dritten Streckenentwurf. Dieser ist jedoch noch nicht veröffentlicht (hat man hier etwa dazugelernt?) – laut Pressemeldungen ist der Start in der City, geht raus nach Jöllenbeck, um dann in Sennestadt sein Ziel zu finden, also eine „Strecke von A nach B, wie z.B. der New York City Marathon“ (O-Ton Veranstalter). Bei Kilometer 37 soll ein Anstieg zu bewältigen sein. Ich freu mich schon auf die neue Werbung: „Mit 153 Höhenmetern die vermutlich abwechslungsreichste Marathonstrecke der Welt.“ Oder so ähnlich.

Ich glaube, das ganze ist so oder so einfach nur zum weinen…

7 Antworten auf „Bielefeld-Marathon: Neues aus der Provinz“

  1. Schade, dass eine gute Idee durch offensichtliche Anfängerfehler so fahrlässig gegen die Wand gefahren wird.

  2. Einen schönen guten Abend!
    es freut uns ja, dass unser Thema interessant bleibt. Doch uns Fehler vorzuwerfen und sich als Trittbrettfahrer hinzustellen, weisen wir zurück. Es liegt und lag eindeutig an der Stadt Bielefeld, insbesondere den Verkehrsbetrieben. Die vorgelegten Strecken gingen immer wieder nicht, weil dort dann plötzlich mögliche Konkurrenzveranstaltungen seien, die den Durchfluss immer ermöglichen sollten – bei einem Marathon wohl kaum möglich, ist schließlich ein Rennen! – zum anderen kurzfristig ausgegrabenen Projekten wie Kesselbrink-Sanierung, die seit 40 Jahren gehortet wurden, um sie genau dann anzupacken, wenn wir einen Marathon beantragen..
    Weiter ging es mit dem 10.10., wie wir wissen, darf an Sonntagen nur auf Sondergenehmigung geheiratet werden. Man hatte uns versichert, dass am 10.10. in Bielefeld nicht geheiratet wird, und plötzlich gab es nun wieder jeweils 10 Paare in Botanischem Garten und Tierpark. Wie kann das sein, wenn Streckenführung und Datum lange vorher bekannt waren?

    Somit sollten wir und ihr wissen, dass wir alle das Gleiche wollen. Einen Marathon am 10.10. in Bielefeld. Dies können wir nur Erreichen, wenn wir endlich mal eine Einigung erzielen können. Inoffiziell ist diese 3. Variante bereits die 10., denn 9 Strecken waren nicht machbar.

    @ Klaus Rees: Fahrlässig ist es, dass die Obrigen der Stadt dieses Projekt nicht unterstützen wollen!

  3. Lieber Herr Rees,
    es ist schon eine seltene Sauerei, wie verschiedene Häuptlinge der Stadt Bielefeld jedes größere Freizeit- oder Sportprojekt systematisch sabotieren, das nicht von Bielefeld Marketing, Stadtwerken, Sparkasse, NW oder TSVE erfunden wurde. So war es bei Teuto ohne Auto 2005, so ist es beim autofreien Sonntag Bielefeld-Herford, und so ist es beim Bielefeld-Marathon. Das Thema sollten die Grünen dringend im Stadtrat aufgreifen.

  4. Lieber Herr Korff,
    dazu gäbe es viel zu sagen, aber nicht im Netz. Sollten wir mal drüber telefonieren oder uns anderweitig austauschen. So wie sich die Sache darstellt, ist das kein Thema für den Stadtrat!

  5. Liebe Bielefeld-Marathon-Veranstalter,

    das Wort „Trittbrettfahrer“ habe ich an keiner Stelle benutzt und kann auch nicht sehen, wo man diesen hätte hineininterpretieren können. Was ich hier schreibe, ist nur der Versuch, die Infos, die ich selbst nur über die Presse bekomme, für mich zu sammeln und zu sortieren. Mein Blogbeitrag ist also lediglich ein privater Kommentar, wie die ganze Geschichte bei mir ankommt. Ein bashing des Bielefeld-Marathons liegt mir fern! Ich will auch die beiden geplanten Läufe sicher nicht gegeneinander ausspielen. Ich glaube, dass ich deutlich gemacht habe, dass ich die Laufstrecke beim 2011er-Marathon auch für einen ziemlichen Witz halte, aber durch den TSVE als Veranstalter und die Sparkasse als Geldgeber das ganze für mich halt erheblich seriöser wirkt.

    Neben dem auch von mir durchaus bemerkten unermüdlichen Engagement von Veranstalterseite und dem Versuch, trotz aller Hindernisse öffentlich Optimismus zu verbreiten, finde ich es im übrigen sehr löblich (und mutig!), dass ihr sämtliche Presseartikel – so vernichtend sie auch sein mögen – in eurem Pressespiegel sammelt und das auch noch per Twitter etc. öffentlich streut. Es freut mich auch, eine persönliche Erwiderung und eure Sicht der Dinge hier in meinem Blog zu finden.

    Zu meiner Einschätzung der „Lage“ kann ich momentan nicht wirklich viel hinzufügen. Interessant ist aber vielleicht die Beobachtung, die ich in Gesprächen über den Bielefeld-Marathon mit Läuferinnen und Läufern in den letzten Wochen gemacht habe: Für Laufanfänger ist die Idee, 42km durch die eigene Stadt zu laufen, durchaus Motivation. Von organisatorischen Problemen haben sie noch nicht viel mitbekommen und sie wissen auch nicht, dass der 2011er Lauf von anderen veranstaltet wird (letztlich kann einem das als Läufer ja auch ziemlich egal sein, so lange der Lauf organisatorisch sauber über die Bühne geht). Auf der anderen Seite stehen die, die schon länger laufen und bei diversen Volks-/Stadtläufen oder auch Marathons schon mitgemacht haben: diese sind ausnahmslos sehr skeptisch ob der genannten zahlreichen nicht geklärten Baustellen. Abgesehen davon kenne ich keinen halbwegs erfahrenen Läufer, der einfach nur 42km durch die Stadt rennen will, nur um 42195 Meter einzusammeln – es geht ihnen eben vor allem auch um eine attraktive, interessante Strecke.

    Ich selbst schließe eine Teilnahme im Oktober für mich nicht grundsätzlich aus, werde das aber defibnitiv erst sehr spontan entscheiden. Ich könnte mir z.B. vorstellen, den ein oder anderen Rookie auf 3:59 oder so zu ziehen und den Lauf für mich als Vorbereitung und lange Trainingseinheit für einen anderen, für mich wesentlich interessanteren Herbstmarathon zu nutzen. Für ein Saisonhighlight ist mir die ganze Geschichte jedenfalls nicht geheuer…

    Trotz aller vermutlich zur Genüge ausgedrückten Skepsis wünsche ich euch trotzdem natürlich alles Gute und viel Erfolg!

  6. Nachdem Salzkotten seinen Marathon / Halbmarathon dieses Jahr auf den Juni verschoben hat um den „schönsten, flachsten, schlecht organisiertesten…“ Marathon aus dem Wege zu gehen, kann ich nur sagen, dass dadurch beim Salzkottener Marathon ein Rückgang der Teilnehmerzahlen zu vermelden war. Der Juni ist eben nicht unbedingt der Marathon-Monat. (Vor allen Dingen nicht bei ca. 30 Grad auf der Strecke)
    Es ist ein Armutszeugnis, wie weit sich hier wohl unkundige Veranstalter „aus dem Fenster lehnen“ und andere Laufveranstaltungen blockieren.
    Der Hermannslauf in Bielefeld ist perfekt – belasst es dabei.

  7. Lieber Eggerunner,
    ich fürchte, dass die glorreichen „Macher“ über solch Auswirkungen für Umlandveranstaltungen gar nicht nachgedacht haben. Das ganze ist sehr, sehr bedauerlich. Hoffe, dass sich Salzkotten erholt. Demnächst dann wieder im September?

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