München-Marathon

München Marathon
München Marathon 2008 (20 Fotos)

Nach 13 Jahren Marathon-Abstinenz… – und nun gleich zwei Marathons innerhalb von acht Tagen!

Was ich im letzten Beitrag über den noch vage andeutete, hat sich im Laufe der Woche ein bisschen konkretisiert, allerdings hielt ich mir die Entscheidung bis zum Schluss offen. Da ich am Samstag ohnehin nach München wollte und hier auch die ganze Woche bleibe, lag der Marathon ja quasi auf dem Weg.

Meine erste Einheit am Dienstag war nicht so viel versprechend, in der zweiten am Donnerstag lief es dafür wieder richtig gut, wobei ich am Freitag durchaus ein paar Nachwirkungen von meiner normalen Hausrunde spürte – was normalerweise nicht der Fall ist. Aber letztlich waren auch die Wetteraussichten ganz hervorragend und mehr als schief gehen konnte das ganze Unterfangen ja schließlich auch nicht. Zudem erwartete ich „moralischen Beistand“ an der Strecke, im Gegensatz zu Köln, wo ich niemanden kannte.

Also besuchte ich gleich nach meiner Ankunft in München die Marathonmesse – und meldete mich für den Lauf nach. 🙂

Am Sonntag war ich eine gute Stunde vor dem Start vor Ort. Nicht nur im Vergleich zu Köln herrschten traumhafte Bedingungen: Auch ganz objektiv konnte man bei strahlender Sonne und zu Beginn bei knapp 20° von allerbestem Hermannslaufwetter sprechen!

Vorgenommen hatte ich mir ja, den Lauf ruhig anzugehen. Ich hatte keine Ahnung, wie mir der zweite Marathon innerhalb von so kurzer Zeit bekommen würde, aber unter vier Stunden, vielleicht bei 3:45 hielt ich nicht für komplett unrealistisch. Und vor allem wollte ich es auch ruhig angehen, weil ich mir für die Woche in München diverse Radkilometer vorgenommen hatte und dies auch ursprünglich mal der Grund gegen München und für Köln war. Aber im Optimismus, dass ich München ähnlich gut wegstecken könnte wie Köln stand ich nun also doch am Start.

Dieses Mal spielte auch der Pulsmesser mit. Und auf den ersten Kilometern musste ich dann beim Blick auf selbigen schon ein wenig bremsen, da ich wie in der letzten Woche einen Kilometerschnitt von unter fünf Minuten lief. Aber ziemlich schnell war ich dann in einem guten Laufrhythmus, von dem ich ausging, ihn auch auf längerer Strecke halten zu können. Auch wenn ich nach rund zehn Kilometern schon ein wenig die Beine merkte, was mir in Köln erst bei km 25 so ging.

Die Stimmung im Läuferfeld war super. Nach dem Lauf hörte ich zwar, dass in Köln deutlich mehr Zuschauer als in München stehen würden, beim diesjährigen direkten Vergleich traf dies aber natürlich absolut nicht zu. Abgesehen vom englischen Garten waren eigentlich fast überall Leute am Straßenrand, während man in Köln schon recht häufig allein über die Strecke lief. Aber wie gesagt: Das Wetter war natürlich auch ganz erheblich publikumsfreundlicher.

Meine erste Zwischenzeit bei 10km war mit 48:56 dann nur rund eine Minute langsamer als in Köln, auf den zweiten 10km waren es 1 3/4 Minuten (49:29), ich bewegte mich also tatsächlich also schon wieder auf 3.30-Niveau – sofern ich denn das Tempo beibehalten könnte. Auf den dritten 10km war ich dann nur 45 Sekunden langsamer als in Köln (49:24), was sicherlich auch dadurch beeinflusst war, dass ich wusste, dass Sonja etwa bei 29km stehen würde. 🙂

Bei 30km hatte ich mit 2.28 also bei gleichbleibendem Tempo noch einen Puffer von rund einer Minute auf die 3.30, aber ich merkte, dass es mir zunehmend schwerer fiel, den anvisierten 5er-Schnitt zu halten. Und das, obwohl auch Sonja mich sogar bei 31 nochmal mit einem zweiten Besuch überraschte. Nun war ich also in der „Zwickmühle“: Tempo rausnehmen und Kräfte sparen für’s Rennrad fahren oder durchbeißen und versuchen, die 3.30 zu knacken. Die Option, zweimal in einer Woche unter 3.30 zu bleiben, setzte sich letztlich durch und bis km 35 blieb ich bei konstant zwischen 5:00 und 5:05 auch exakt in diesem Zeitplan. Ab 36 fiel ich trotz mittlerweile ansteigendem Puls aber mit 5:16 heraus, auch ein kurzes Aufbäumen bei 37 (5:00) half da nicht mehr. Die 3.30er-Grenze war zwar nah, aber ich lief konstant in Richtung einer 3.30:30 und sah keine wirklich Chance, diese 30 Sekunden noch irgendwo einzusparen. Die letzten Kilometer zogen sich lang hin, ich lief an meiner Leistungsgrenze und hatte definitiv nichts mehr zuzusetzen. Erst unmittelbar vor dem Olympiastadion erwischte ich, gepusht durch das Publikum, noch so etwas wie eine zweite Luft, was aber für eine 3.29:x wohl etwas zu spät kam.

Der Zieleinlauf aber war absolut phantastisch: Es ging durch einen Tunnel unter den Tribünen bei Discolicht hinein ins Olympiastadion, wo noch eine gute halbe Runde auf dem Programm stand. Im großen Stadionrund waren viele Zuschauer, vor allem aber natürlich auch viele Läufer, die schon im Ziel im Innenraum waren. Das war wirklich Gänsehautfeeling und brachte glaube ich einen kleinen Vorgeschmack, was beim Ironman in Frankfurt passieren könnte. Obwohl ich also eigentlich völlig am Ende meiner Kräfte war, bündelte ich selbige zu so etwas wie einem Schlussspurt. Und den letzten Kilometer lief ich dann ein gutes Stück unter fünf Minuten, womit die 3.30 doch noch fast in den Bereich des möglichen kam. Am Ende blieb ich gerade einmal vier Sekunden darüber – ein klitzekleines bisschen ärgerlich vielleicht, aber alles in allem war ich mehr als zufrieden! Und konnte die tolle Stadionathmospähre auf dem Gras in der Sonne sitzend bei Brez’n und (alkoholfreiem) Weizenbier noch lange genießen. (Für die Statistik: Die vierten zehn Kilometer lief ich in 51:12 und bewegte mich damit während des gesamten Laufs also im Kölner Schnitt von +1 Min./10km.)

Fazit: Ein toller Lauf, super Stimmung, phantastisches Wetter und ein bekanntes Gesicht an der Strecke machten schon wieder eine vorher nicht für möglich gehaltene Zeit möglich. Das Wagnis hatte sich also voll gelohnt – und es hat dabei richtig viel Spaß gemacht!

Letztlich traf ich sogar noch drei Bielefelder TSVE-Triathleten – wir hüpften noch kurz ins Becken der Olympia-Schwimmhalle und plauderten im Biergarten über das Erlebte.

Und am Dienstag steht nun die erste Rad-Einheit auf dem Programm. Ich bin gespannt…

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