Zwei Wochen nach meinem Ironman stand ich heute in Verl am Start über die Volksdistanz: 600m Schwimmen, 20km Rad fahren und 5km Laufen. Nachdem ich ja nun in den letzten 14 Tagen nicht gerade häufig sportlich unterwegs war (1x Rad, 1x Lauf), hatte ich große Lust, mich auf einer so kurzen Distanz mal wieder richtig auszupowern. Zumal ich zudem auch noch wissen wollte, wie sich ein Jahr Training auswirkt, weil ich ja in Verl auch schon im letzten Jahr gestartet war.
Es lief ziemlich gut! Zunächst einmal war das Wetter deutlich besser als erwartet: Die Temperaturen waren mit gut 20° sehr angenehm und entgegen aller Wetterberichte blieb es, zumindest während meiner Wettkampfzeit, trocken. Für’s Schwimmen musste ich nicht lange überlegen und zog trotz längerer Umziehzeit den Neoprenanzug über. Das Schwimmen selbst, ein Dreieckskurs in einem kleinen See, fand ich dann kloppereimäßig fast heftiger als in Frankfurt. Vielleicht lag’s daran, dass ich in Frankfurt nach dem Startschuss länger wartete und der großen Meute erstmal den Vortritt ließ. Naja, irgendwie ging’s dann doch, auch wenn ich wieder etwas orientierungslos zickzack schwamm.
Nach knapp 12 Minuten war die Schwimmeinlage für mich zu Ende und es ging in die Wechselzone. Das ging dann dort doch erstaunlich schnell, weil ich unter dem Neo bereits die Radklamotten anhatte. Schnell noch Socken und Schuhe angezogen und los ging’s auf die Radstrecke – leider nicht mehr die gleiche wie im letzten Jahr. Dabei handelte es sich nun um einen 10km-Kurs mit zwei 180°-Wenden. Insofern: Es war zwar flach (abgesehen von vier Autobahnüberquerungen), aber man musste insgesamt fünf mal für die Wende komplett runterbremsen. Gehofft hatte ich auf einen 35er Schnitt, rausgekommen sind 34,7km/h. Ohne die Wenden hätte es vielleicht geklappt…
Das Laufen ging dann auch ziemlich flott, ich kam sofort in meinen Tritt und lief, so die Kilometer richtig beschildert waren, mit 4:15min/km los. Der dritte Kilometer war etwas langsamer, weil ich da vorübergehend Seitenstiche bekam, statt dessen war aber der letzte Kilometer mit 2:39 dann rekordverdächtig schnell. Das gleiche Erlebnis hatte ich allerdings auch schon im letzten Jahr, offenbar ist die Laufrunde also nur rund 4,6km lang…
Im Ziel war ich bei 1:09.04, womit ich sehr zufrieden war. Im letzten Jahr brauchte ich 1:22, allerdings war damals die Radstrecke 3,8km länger. Dennoch habe ich vor allem beim Rad fahren innerhalb der letzten zwölf Monate wohl am meisten „Power“ bekommen: 34,7km/h statt 31,4km/h. Beim Schwimmen (halbe Minute) und Laufen (eine Minute) waren die Unterschiede nicht sonderlich groß. gespart habe ich auch noch beim ersten Wechsel: Vor einem Jahr hab ich mich noch abgetrocknet und komplett umgezogen.
Viel Spaß gemacht hat vor allem, mal so richtig Vollgas zu geben, ohne Pulskontrolle, ohne Taktiererei, dass ich mir die Kräfte einteilen muss, ohne auf Trinken oder gar Essen zu achten. Einfach nur loslegen und durchziehen. Mal was anderes! Den nächsten „Vollgas-Vergleich“ gibt es dann in drei Wochen beim TSVE-Jedermann-Triathlon in Bielefeld-Senne. Der findet dann auch auf der selben Strecke wie im Vorjahr statt. 🙂
Sehr nett war auch, diverse Leute wieder zu treffen. U.a. traf ich allein fünf Leute aus meinem Kraulkurs im Winter, von denen zwei auch am Start standen. Auch meinen fleißigen Blog-Leser um Kommentar-Autor Heiko hab ich kurz gesehen, wenn auch nur beim „Abreisen“: ich war auf dem Weg zum Auto, er auf seiner Laufrunde (Kurzdistanz, also doppelte Strecke). Dein Laufschritt sah aber noch sehr locker aus!
Hallo Lajos,
schade, dass wir uns nur im „Vorbeilaufen“ gesehen haben. Ich habe mit dem Wetter weniger Glück gehabt, meine Mountainbike Schuhe haben sich im Regen schön vollgesogen und waren heute Nachmittag noch nass… aber der Reihe nach:
Die erste Disziplin = Sachen packen – unglaublich an was man bei einem Triathlon alles denken muss! Also am Samstag noch schnell in die Stadt und fehlendes Equipment( Gummiband, Startnummer umstecken wäre dann doch etwas aufwendig…) besorgen und bis auf die neu erstandenen Laufsocken sind dann auch tatsächlich alle Dinge auf meiner Liste mit nach Verl gekommen ( aber meine ausgelatschten Baumwollsocken haben es auch getan ), Fahrrad checken, Kette ölen usw…In Verl angekommen habe ich schnell bemerkt, dass ich meine vollgestopfte Klappkiste plus Rad ca 1km tragen muss…schieben mit der Kiste auf dem Sattel war ziemlich wackelig und unbequem, also Kiste auf den Lenker und losgefahren. Jetzt bloß nicht umfallen, wäre ziemlich peinlich, ist aber alles gut gegangen.
Die zweite Disziplin: Check In
Während ich den „Profis“ fasziniert bei der Präparation zuschaute, war ich verzweifelt auf der Suche nach meinen Laufsocken u. habe meine 4 Plastiktüten mehrmals ein und ausgepackt, zwischendurch mal ein Blick zu den Sprintern geworfen, die aus dem Wasser kamen auf der Suche nach dem Lajos oder einem anderen bekannten Gesicht. Irgendwann war ich dann der Überzeugung ein missgünstiger Konkurrent hätte meine Laufsocken entwendet und habe mich in mein Schicksal gefügt. Während die Profis ihre Habseligkeiten auf einem Handtuch drapierten, habe ich Rad- u. Laufsachen in zwei Plastiktüten gesteckt, was ich ziemlich clever fand, da ich nach dem Schwimmen trockene Schuhe u. Trikot anziehen konnte, leider blieben die nicht lange trocken… Dann noch in den Neo, was überraschend gut ging, beim Testlauf im Freibad hatte ich noch mit Beklemmungsgefühlen zu kämpfen.
Dritte Disziplin: Schwimmen
Nach 150m fing der Kampf ums Überleben an…normalerweise schwimme ich 3er Zug, aber nach zwei Zügen war die Luft immer alle, also brav Köpfchen drehen und Luft hohlen, dann noch mal kurz nach vorne gucken wo man hinschwimmt ( wobei das bei mir als Kurzsichtigen ohne Sehbrille auch immer so ein Sache ist ), das hat mich irgendwie überfordert es war ein einziger Krampf aber ich war ja nicht alleine im Wasser. Nach ca. 23 Minuten aus dem Wasser, ich dachte die Schwimmstrecke sei 1000m lang u. war etwas enttäuscht über die Zeit, für 1200m war es aber noch ok 😉
Vierte Disziplin Wechsel
Laut Ergebnisliste habe ich die Wechselzone nach ca 27 Minuten verlassen, immerhin im trockenen Radtrikot
Fünfte Disziplin: Radfahren
Das Radeln ist ja irgendwie immer das Herzstück des Triathlons, ich habe mir vorgenommen nicht zu überreißen, weil ich mir vor der versammelten Mischpoke keine Blöße geben und immer mit einem lockeren Gesichtsausdruck vorbeiradeln wollte. Die Radstrecke fand ich so lala, eine 180 Grad Wende weniger hätte es vielleicht auch getan. Schön war, dass man auch die „Profis“ mal zu Gesicht bekommt, interessant wie in der Verbandliga die Windschattenregel interpretiert wird, da waren doch recht große Gruppen unterwegs. Die ersten beiden Male war von Kindern, Frau, Papa, Mama nichts zu sehen, nachdem der Regen aufgehört hat, haben sie mir aber doch noch zugejubelt. Kurzer Blick auf den Tacho ergibt einen Schnitt knapp über 33, die Atmung ist ruhig, aber viel mehr geht irgendwie auch nicht, dann machen die Beine schlapp, da fehlt irgendwie der finale Druck. Die offizielle Radzeit von 1:10 wäre ein guter 34er Schnitt, das wäre angesichts der Bedingungen sehr gut, allerdings zeigte mein Tacho nur 38,3 km an ( inklusive der in der Wechselzone zurückgelegten Strecke ), wobei wir dann bei einem 33er Schnitt sind, was mir realistischer erscheint. Damit bin ich aber auch sehr zufrieden.
6. Disziplin: Wieder Wechseln: Vielen Dank an die freundliche Helferin, die mich darauf aufmerksam machte, dass es sich ohne Helm bequemer läuft…die Dinger sind einfach zu leicht und zu bequem.
7. Disziplin Laufen:
Selbe Taktik wie beim Radfahren. Es sollte leicht und locker aussehen, ich wollte vor meinen Lieben beweisen, dass ich SPASS an der Sache habe u. das ist mir auch gelungen, hast du ja auch gefunden 😉 Der Höhepunkt war dann, als zwei rote Startnummern vor mir auftauchten ( = Verbandligastarter ) die beim Laufen eingegangen sind und nun von mir locker überholt wurden ( die hatten wohl beim Radfahren keine Gruppe mehr erwischt ), dann noch mal locker den Kindern zugewinkt und nach knapp 44 Minuten ins Ziel. Und dann war er schon vorbei meiner erster Septathlon seit 1993. Interessanterweise habe ich mich von den einzelnen Zeiten in die selbe „Liga“ einsortiert wie damals ( drittletzter der M35 ), Schönes Gefühl, dass man auch als „AK-Athlet“ mit einem angemessenen Training flott unterwegs sein kann und Freude an der Sache hat.
So jetzt habe ich aber ganz schön lange geschrieben,das ist ja das Lajos Ironman Blog und nicht das „Heiko hat in Verl mitgemacht Blog“, vielleicht können wir ja mal eine Runde zusammen Laufen oder Radfahren ( Schwimmen hätten wir nötiger, aber das ist so unkommunikativ…) u. quatschen ein wenig? Ich habe ja jetzt einen kleinen Leistungsnachweis gebracht;-)
Wow, das ist ja ein spannender Bericht! Mit dem Wetter hattet ihr auf der Kurzdistanz allerdings wirklich Pech bzw. ich viel Glück: Beim ersten großen Schauer stand ich gerade im Ziel unter dem Verpflegungszelt und beim zweiten ergiebigen und langen Regen aß ich genüsslich eine Bratwurst, ebenfalls überdacht und quatschte noch mit ein paar Leuten.
Dass du nach der langen Pause solche Zeiten ablieferst, finde ich mehr als beachtlich! Und damit bist du wirklich in der Altersklasse so weit hinten platziert? Das würde allerdings auch meine Erfahrung vom Triathlon in Versmold bestätigen, dass auf der Kurzdistanz eine sehr hohes Leistungsniveau herrscht, zumal wenn am gleichen Tag auch noch eine Volksdistanz angeboten wird.
Klar, wir können gern mal eine Runde radeln oder laufen! 🙂
Hallo Lajos,
41:26 auf 10 km ist super, wo war das denn? Die magische 40 rückt näher ( nicht nur auf dem Kalender ). Noch ein paar knackige Intervalle im Training und du pulverisierst diese Marke. Wg.meiner Zeiten: Ich hab ja nicht seit 1993 auf dem Sofa gelegen und Chips gegessen, da war schon der ein oder andere Hermann dabei u. auch andere sportliche Aktivitäten 😉 . Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man mit relativ wenig ( aber regelmäßigem ) Training ein ordentliches Niveau erreicht ( das Niveau hängt dann ja im wesentlichen von den individuellen Voraussetzungen ab, allg.Fitness, Talent, Gewicht usw…). Alles was darüber hinaus gehen soll benötigt dann einen kontinuierlichen sich steigernden Trainingseinsatz.
Und das war bisher nicht gerade meine Stärke 😉
Ich habe mich übrigens für den Kurztriathlon in Riesenbeck am 30.08 angemeldet u. Ende September folgt der Böckstiegellauf. So jetzt dreh ich noch eine Runde durch den Park. Du hast ja meine email adresse, da können wir uns ja mal direkt zum Training verabreden. Noch einen schönen Restsonntag u. gute Erholung vom Lauf.
vg heiko
Hallo Heiko,
die „40“ ist in der Tat magisch. Ich würde sie natürlich gern mal laufen, aber das hieße, auf jedem Kilometer nochmals 10 Sekunden schneller laufen zu müssen. Ich hab keine Ahnung, wie das gehen soll…
Riesenbeck soll ja sehr schön sein, ich werde mich aber wohl in Zukunft wieder verstärkt dem Laufen widmen. Triathlon werde ich in diesem Jahr also allenfalls mal einen spontan machen. Böckstiegellauf mache ich trotzdem nicht mit, weil mir zum einen die Strecke nicht gefällt, ich zum anderen vor allem aber – wenn alles passt – bei der Rad-WM sein werde 🙂
Gemeinsame Trainingseinheiten sollten wir in der Tat am besten per Mail abstimmen, mein Problem ist nur, dass sich die Pläne immer so schnell ändern. Aber ich kann ja vielleicht mal in Kürze eine unverbindliche „Liste“ schicken – vielleicht finden wir ja was.