Zwei Bestzeiten trotz deutlich stockender Vorbereitung

Die letzten Wochen ist es ruhig geworden in meinem Weblog. Zum einen war das Saisonhighlight Challenge Roth vorbei, zum anderen war (ist) meine Zeit danach mal wieder relativ begrenzt und ich bin zwangsläufig etwas kürzer getreten, was die Trainingszeit angeht. Und dann warfen mich kleinere Wehwehchen auch immer wieder zurück.  Meist gerade dann, wenn ich wieder richtig Spaß hatte: Zunächst war es der Oberschenkelmuskel (der zwickte ja schon in der direkten Roth-Vorbereitung), dann der Rücken, und seit ein paar Wochen plage ich mich mit klassischen Läufer-Schienbeinschmerzen herum.

Nicht wirklich ernst gemeinter Versuch über 10km…

Nichtsdestotrotz habe ich die Beine natürlich nicht ganz hoch gelegt. An sich hatte ich ja noch zwei Langzeitziele für das Jahr: den Zehner in unter 40 Minuten zu laufen und einen Marathon in unter 3:15. Beides sind Hürden, die ich für realistisch halte, auch wenn ich sie – soviel sei vorweggenommen – beide noch nicht erreicht habe.

Bereits nach nur sechs Tagen nach Roth nahm ich spaßeshalber mal einen 10er auf mich: sechs Runden um den Meierteich in Bielefeld. Dort war ich im letzten Jahr 41:25 gelaufen, ebenfalls ohne gezielte Vorbereitung, aber imemrhin drei Wochen Pause nach Frankfurt. Allerdings nahm ich diesen Lauf natürlich von vornherein nicht sonderlich ernst, bin einfach mit Vollgas losgelaufen und wollte schauen, wie weit ich komme. Leider nicht sehr weit, wie sich herausstellte: Die erste Runde lag noch gut im Plan, die zweite fiel aber schon schwer und am Verpflegungstisch in der dritten Runde entschied ich dann kurzer Hand, auszusteigen. Da hatte ich also gerade mal 3,5km absolviert, aber da die 40er-Grenze quasi nicht mehr erreichbar war, wollte ich mich nicht weiter quälen. Dafür konnte ich als Zuschauer den Rest des Laufs (und die Bratwurst danach) aber ebenso genießen.

Ein Herbstmarathon sollte kommen

Ein schneller Herbstmarathon war dann aber das eigentliche Ziel für die zweite Saisonhälfte. Lange zögerte ich, wo ich mich denn anmelden sollte. Eine Weile war Köln der Favorit, aber da mich der nervige Oberschenkel lange behinderte, schien mir der Termin Anfang Oktober etwas zu früh zu kommen. Alternativ überlegte ich kurzfristig, beim Brocken-Marathon eine Woche später zu starten, der aber natürlich aufgrund des Profils nicht eben ein Hochgeschwindigkeitsrennen erwarten ließ. Ich sah ihn daher auch eher als Durchgangsstation für einen späteren Marathon. Noch kurzfristiger peilte ich gar zusätzlich einen Start beim Marathon rund um den Baldeneysee in Essen an – der war nur einen Tag nach dem Brocken. Hier wäre ich gern mit ein paar Lauffreunden zusammen gelaufen. Ich hielt es für gar nicht mal so unrealistisch, zwei Marathons an zwei Tagen zu laufen, wenn das Tempo nur entsprechend langsam wäre. Auch sah ich darin keinen Widerspruch zu einem schnellen Marathon später im Jahr, der ja nach wie vor Ziel blieb.

Erneutes Verletzungspech

Leider leider musste ich dann sowohl auf den Brocken als auch auf Essen verzichten: Am Mittwoch davor verhob ich mir nämlich dermaßen den Rücken, dass an Laufen ganz und gar nicht zu denken war. Das fand ich schon extrem schade, zumal das Wetter am Wochenende bei beiden Läufen traumhaft war.

Mittlerweile hatte ich Frankfurt für einen Marathonstart auserkoren: am 31.10. sollte es soweit sein. Nach dem erneuten Rückschlag hatte ich aber das ambitionierte Zeitziel von 3:14:x definitiv aufgegeben. Aber ich wollte zumindest unter 3:30 bleiben und hielt ein Lauf in der Nähe der bisherigen PB von 3:25 zumindest für einigermaßen realistisch. Und vor allem hatte ich Lust zu laufen und auf einen großen Wettkampf mit vielen Teilnehmern und Publikum!

Also Frankfurt. Die Vorbereitung stockte weiterhin, da zwar der Rücken nicht mehr ganz so problematisch war, dafür aber die Schienbeinschmerzen, die nach meinem zweiten (ebenfalls vergeblichen) Versuch (19.09.2010, Safarilauf Stukenbrock), die 40 Minuten auf 10km zu knacken, zunächst nur kurzzeitig auftraten, leider wieder zurückkehrten. Dies bescherte mir eine komplette trainingsfreie Woche direkt vor Frankfurt, weil ich schlicht die Beine lieber schonte.

Frankfurt-Marathon: 3:16:25

Der Wettkampf selber war dann erstaunlicherweise in allen Belangen top! Zunächst stimmte das Wetter: Trocken, wenig Wind, um die 15° und später kam sogar die Sonne heraus. Da ich ohne große Ambitionen startete, blickte ich zwar zwischendurch immer wieder auf die Uhr, ließ mich aber nicht verunsichern, als der 3:15er-Zielzeitenläufer an mir vorbeilief. Im letzten Jahr am Bodensee war das noch anders, dort versuchte ich mit der Brechstange die 3:15 zu knacken und lief viel zu schnell an. Meine Taktik hier war nicht so sehr auf eine Endzeit ausgerichtet als viel mehr auf ein gutes Gefühl: die ersten 21km locker, bis 32km kontrolliert und die letzten zehn noch schauen, was geht. Das hatte mir am Vortag noch meine „Herbergsmutter“ und Ex-Rad- und Lauf-Profi mit auf den Weg gegeben. Und in der Tat konnte ich dies nahezu perfekt umsetzen! Beim Halbmarathon hatte ich sogar wieder den Zielzeitenläufer vor mir und ich bewegte mich erstaunlich konstant auf 3:15er Kurs. Ganz traute ich dem zwar nicht, war mir allerdings doch schon halbwegs sicher, die PB einigermaßen deutlich zu unterbieten. Bis 35km hielt ich dann auch diesen Kurs – und hätte eigentlich nur noch konstant das Tempo ins Ziel bringen müssen, um die 3:15 zu knacken. Aber wie das so ist, so wurde es auf den letzten 7km dann doch noch etwas härter und ich zum ersten mal langsamer: statt 4:35min/km, die ich hätte laufen müssen (und bis dahin sehr konstant lief!), bewegte sich die Uhr eher in 4:50er-Regionen, der 40. Kilometer war mit 5:00 sogar der deutlich langsamste. Aber egal: Nach 3:16:25 lief ich in der Messehalle über die Ziellinie und war damit erheblich schneller, als ich es mir vorher erträumt hätte! Vorwerfern kann ich mir auch nichts, da ich ein extrem konstantes Rennen lief – so gleichmäßig ist mir dies noch nie gelungen.

Hier mal ein paar Zahlen, an denen man das deutlich sieht – sowohl die Konstanz, als auch, dass ich auf den letzten 7km die 3:15 leider noch verspielte:

  • 23:27 (5km)
  • 23:26 (10km/0:46:53)
  • 22:50 (15km/1:09:43)
  • 22:55 (20km/1:32:38)
  • 22:57 (25km/1:55:35)
  • 22:58 (30km/2:18:33)
  • 23:03 (35km/2:41:36)
  • 24:08 (40km/3:05:44)

Frankfurt war übrigens auch insofern eine Reise wert, weil dort eine ganze Menge #twitterlauftreff‚ler unterwegs waren, die ich bisher nur als virtuelles Pseudonym kannte und die nun ein Gesicht und eine Stimme bekamen. 🙂 Und dass die 3:15 (noch) nicht geklappt hat, ich aber trotz stockender Vorbereitung schon erstaunlich nah dran war, gibt mir ein gutes Gefühl für die Zukunft.

Halbmarathon Verl: 1:28:25

Obwohl ich noch am Vortag in Frankfurt Schmerzen im Schienbein hatte und diese zumindest zu Beginn vom Marathon auch noch halb merkte (meine andere „Herbergsmutter“ und Sportphysiotherapeutin klebte mir noch fachmännisch ein Kinesiotape), hatte ich in der Woche nach Frankfurt quasi keine Beschwerden, weder Muskelkater noch am ledierten Schienbein. Also entschied ich mich, nur eine Woche nach Frankfurt auch in Verl an den Start zu gehen. Hier standen entweder ein Halbmarathon oder ein Zehner auf jeweils flacher Strecke zur Wahl. Für mich hieß dies  Angriff auf die 40 Minuten oder auf die 1 1/2 Stunden oder anders ausgedrückt: einen 4er-Schnitt auf 10km oder einen 4:16er auf 21km. Ich entschied mich für letztere Möglichkeit, weil ich hoffte, dass das „langsamere“ Tempo nicht ganz so sehr weh tun würde…

Meine Beine merkte ich überhaupt nicht, dafür war es aber recht frisch und leider auch ziemlich windig, dafür hatte ich aber eine wirklich super funktionierende Laufgruppe, mit der ich mich gemeinsam auf 1:30er Kurs begab, darunter auch zwei weitere TSVEler. Auch hier lief ich ein sehr konstantes Rennen und war überrascht, wie gut das ging – kein Einbruch, kein Hammer, (fast) keine Schmerzen. Die Gruppe brach allerdings mit zunehmender Dauer immer weiter auseinander: Nach 10km waren wir nur noch zu dritt, nach 12km zu zweit und nach 17km blieb auch mein letzter Begleiter zurück. Besonders dramatisch war das nicht, da ich da schon einiges an Zeit rausgelaufen hatte und die letzten 4km nicht mehr so arg viel passieren sollte. Mit 1:28:25 bleib ich dann auch sogar ziemlich deutlich unter der vorher erträumten 1:30. Und ganz sicher hätte ich das ohne die Begleiter nicht geschafft!

Nur noch Wettkämpfe, kein Training?

Was noch fehlt, ist also die 40-Minuten-Schallmauer bei einem Zehner. Kurz schaute ich sogar in den Kalender, ob nicht am folgenden Wochenende irgendwo ein Wettkampf wäre, fand aber nur einen in Detmold auf anspruchsvoller Crossstrecke mit 200 Höhenmetern. Dort startete ich aber nicht, weil ich nun zunächst einmal die Schienbeinschmerzen wirklich auskurieren möchte. Aber die beiden Wettkämpfe so kurz hintereinander geben mir ein gutes Gefühl für weitere kleinere und größere Projekte. 😉

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