Sparkasse-Marathon im Dreiländereck am Bodensee

Bodensee-Marathon im Dreiländereck (45 Fotos)
Bodensee-Marathon im Dreiländereck (45 Fotos)

Am Sonntag bin ich seit einem Jahr mal wieder einen „echten“ Marathon gelaufen – den Marathon beim Ironman oder den 62km-Doppel-Hermannslauf zähle ich mal nicht mit. Entschieden hatte ich mich recht spontan für den Sparkasse-Marathon im Dreiländereck am Bodensee, weil es so schön in meine quasi-Urlaubstour Schweiz (Rad-WM in Mendrisio) und Italien (Comer See zum selber Rad fahren) passte bzw. auf der Rückreisestrecke lag. Gelesen hatte ich einiges, war gespannt und hatte große Lust zum Laufen. Allerdings war mir auch von vornherein nicht ganz wohl, weil meine Vorbereitungen in den letzten Wochen alles andere als marathon-spezifisch waren: Zum einen habe ich seit dem Ironman Anfang Juli ohnehin kaum etwas gemacht, zum anderen waren insbesondere die letzten fünf Woche so dermaßen voll mit Arbeit, dass ich kaum zum schlafen, geschweige denn zum trainieren kam. Und nach Italien fuhren wir vor allem, um da ein paar Kilometer Rad zu fahren. Letztlich verließ ich mich also darauf, dass mein einjähriges Ironman-Training noch für eine entsprechende Grundlage sorgte.

Schließlich hatte ich ein Ziel: Ich wollte mal probieren, ob ich 3:15h bei einem flachen Marathon in diesem Herbst laufen könnte. Das wären zehn Minuten schneller als meine bisherige Bestzeit: Köln 2008, wo ich für mich selbst überraschend schnell unterwegs war, hatte doch meine Trainingsphase gerade erst drei Monate vorher begonnen.

Sparkasse-Marathon im Dreiländereck

Der Marathon startete im deutschen Lindau, führte dann über Lochau am Seeufer entlang nach Bregenz in Österreich, weiter nach Hard, über den Rhein nach Fußach und Höchst, dort über einen kurzen Schlenker durch St. Margrethen in die Schweiz und wieder zurück nach Österreich über Fußach, Höchst und schließlich wieder Bregenz, wo im Casino-Stadion das Ziel war. Der Bodensee-Marathon wurde 2008 zum Marathon des Jahres in Österreich bei einer Online-Leserwahl ausgezeichnet und warb mit einer schönen Strecke.

Schön war es in der Tat! Dies fing schon am Vortag bei Nachmeldung und Marathonmesse an. Alles war deutlich familiärer als bei Großveranstaltungen wie Köln und München oder gar Berlin, obwohl auch am Bodensee gut 5000 Teilnehmer zu versorgen waren, rund 1000 davon auf der Marathondistanz. Im Rahmenprogramm waren nicht uninteressante Vorträge zu den Themen Training und Gesundheit.

Die Pasta-Party fand auf einem Schiff statt, was in Lindau am Hafen lag. Auch nicht alltäglich. Bei wunderschönem Wetter ließen wir es uns an Deck gut schmecken.

Mit dem Schiff zum Start

Am Sonntag Morgen ging es dann los. Zunächst nicht zum Start, sondern zum Ziel nach Bregenz: Wie auch beim Hermannslauf wird ein Transport organisiert, am Bodensee nicht wie beim Hermann in Bussen, sondern – klar – mal wieder mit Schiffen. Also wurde man rübergeschippert nach Lindau, wo der Start war. Und die Kleiderabgabe: analog zum Hermann werden die Beutel dann wieder (diesmal per LKW) zum Ziel gekarrt.

Das Wetter war auch am Lauftag noch traumhaft. Wenn es ein Haar in der Suppe zu finden gab, dann vielleicht lediglich, dass es etwas zu windig war. Aber davon merkte man zunächst noch nicht viel.

Los geht’s!

Um 11:11 Uhr fiel der Startschuss – karnevalistisch ging es dennoch nicht zu. Ich jedenfalls habe im Gegensatz zu ähnlichen Veranstaltungen niemanden erblickt, der kostümiert durch die Straßen lief.

Interessant: Sämtliche Läufe (Marathon, Halb-Marathon und Viertelmarathon) wurden zeitgleich gestartet, so dass es am Anfang ganz schön voll auf den Straßen war. Nach Zeitplan lief ich in einem 4:30er-Schnitt los, meine 10km-Zeit lag bei 45:07 und dafür fand ich es eigentlich immer noch ziemlich voll, auch wenn klar war, dass nicht alle die volle Distanz liefen. Die „Viertler“ bogen dann in Bregenz direkt ins Stadion ab, die „halben“ begleiteten die „vollen“ noch bis etwa Kilometer 14,5. Danach wurde es allerdings schlagartig leer! Nicht nur, was die Läuferschar anging, sondern auch zuschauerseitig war es ab sofort deutlich weniger gefüllt.

Bei mir lief es weiter halbwegs im Zeitplan. Ich dachte mir, wenn ich mit einer 4:30 anlaufe und diese über 10km halte, könnte ich auf den letzten 30km 4:40 laufen, um mich ungefähr in Richtung der angepeilten 3:15h zu bewegen. Ich wurde in der Tat auch etwas langsamer, fühlte mich mit nunmehr 46:23 für die zweiten 10km bzw. 1:36.39  (knapp 5 min. schneller als in Köln) für den Halbmarathon noch ganz gut.

Der Einbruch kam dann aber bereits bei 24/25km. Ich merkte, dass es deutlich schwerer wurde und begann jetzt schon, rückwärts zu zählen – viel zu früh, wie mir klar war! Bis Kilometer 28 kämpfte ich, den Kilometer unter fünf Minuten zu laufen, was meist noch gelang, aber eben auch nicht länger hielt. Trotz weiteren Anstrengungen lief ich ab dort nicht einen Kilometer mehr unter der Fünfer-Marke. Entsprechend war auch bei 30km schon klar, dass es mit den 3:15h nichts werden würde. Für die dritten 10km benötigte ich 49:06, 30km-Durchgangszeit: 2:20.37.

Die letzte Rennstunde

Fortan suchte ich mir neue Ziele. Die Köln-Zeit und damit die persönliche Bestzeit zu unterbieten, war mein Minimalziel, mein nun angepeiltes waren aber zunächst 3:20h. Aber konstant wurde ich weiterhin langsamer, zunächst, so bei 5:15, dann aber auch schon Mitte 30km 5:30. Die 3:20h waren entsprechend auch schnell utopisch, aber zumindest unter 3:25h sollte doch wohl klappen…

Ein kurzes Aufflackern bei 37km – angebliche 1000m-Zeit: 4:36. Ich war definitiv nicht schneller geworden und war also offenbar auf einem „kürzeren“ Kilometer unterwegs. Egal, dachte ich mir, wenn die Strecke falsch vermessen ist und ich dadurch im Zeitplan bleibe, nehme ich das halt auch an. Beim nächsten Kilometer relativierte sich das mit 5:48 allerdings schon wieder. Und da mir auch kein längerer Endspurt gelingen wollte, rann mir auch die 3:25h davon und ich kämpfte nach dem Einlauf ins Stadion auf der halben Runde nur noch gegen meine Köln-Zeit. Mit einem leichten Kopfschütteln stoppte ich die Uhr nach 3:25.36 – und war damit exakt zwei Sekündchen schneller als in Köln. Wenn das mal keine punktgenaue Landung war… (In der Ergebnisliste bin ich nochmals zwei Sekunden schneller, dort stehen also offiziell 3:25.34 drin.)

Im Ziel

So fertig, wie ich dann im Ziel war, war ich lange nicht nach einem Wettkampf. Da war definitiv nix mehr drin. Die erstbeste Bank, die glücklicherweise unmittelbar hinter der Ziellinie stand, nahm ich als willkommenen Sitzplatz an. Ein paar mal durchatmen, nix machen, einfach nur rumsitzen. Erst dann nahm ich auch Sonja wieder halbwegs wahr, die unterwegs schon ein paar Mal an der Strecke stand und nun im Zielkanal auf mich wartete. Irgendwann rappelte ich mich dann aber doch auf und schlich in Richtung Verpflegungsstände. Dahinter befanden sich auch schon die Massageliegen, auf die ich mich sehr freute. Ein ganz großartiges Detail, was ich noch bei keinem Wettkampf in Anspruch nehmen durfte, lag auf der Tartanbahn herum: Ein Wasserschlauch! Schuhe und Socken aus und Wasser über die strapazierten Gliedmaßen – herrlich! Zu dritt standen wir glaube ich um den Schlauch herum und reichten ihn weiter. Warum wird sowas nicht öfter angeboten?

Die Massage war gut und ausführlich, wenngleich nach meinem Geschmack für eine regenerative Massage für mich etwas zu heftig. Hinterher hatte ich jedenfalls deutlich mehr Oberschenkelprobleme als vorher (der schmerzt übrigens heute immer noch). Was auch neu war: Es hieß hier nicht „Beine oder Rücken“, sondern „erst Beine, dann Rücken“. So macht’s Spaß. 🙂

Ursachenforschung

Zufrieden war ich mit dem Marathon ganz sicher nicht, Zeit also, dass ich mich mal mit den möglichen Ursachen beschäftige. Neben der oben angesprochenen sehr schlechten Vorbereitung (wenig Sport allgemein, darin wiederum sehr wenig laufen, aber sehr viel Stress und wenig Schlaf) war es glaube ich vor allem ein zu hohes Anfangstempo, an dem ich so grandios gescheitert bin. Ich wollte die 3:15h, und bin zunächst nur nach Uhr und nicht nach Herzfrequenz oder einfach nach Gefühl gelaufen. 4:30er-Kilometerzeiten schienen mir im Vorfeld schon beängstigend schnell zu sein, aber ich wollte es versuchen. Langsamer werden könnte ich ja immer noch. Dass es dann so heftig kam, war überraschend und neu für mich. Eigentlich gelingt es mir sonst immer ganz gut, mein Tempo gleichmäßig einzuteilen, in Köln ’08 und München ’08 lagen die erste und die zweite Marathonhälfte z.B. nicht mehr als 2 1/2 Minuten auseinander. Beim Doppel-Hermannslauf waren wir auf dem Rückweg sogar schneller als auf dem Hinweg. Lediglich beim Ironman bin ich beim Marathon auch schon kräftig eingebrochen, aber dies war ja auch eine Distanz, die ich definitiv gar nicht einschätzen konnte, zusätzlich erschwert durch das extrem warme und vor allem sehr schwüle Wetter.

Ernährungsmäßig fand ich es am Bodensee auch nicht ganz optimal. Entweder hab ich’s nicht wirklich realisiert, oder es gab kaum feste Nahrung. Riegel habe ich nur an zwei Stationen gesehen, Bananen vielleicht an dreien. Selbst mitgenommen hatte ich noch ein Gel. Als Getränk gab es vor allem Powerade, was zwar ganz gut schmecken mag, kohlehydratmäßig aber glaube ich nicht ganz mit den üblichen Verdächtigen mithalten kann. Und letztlich könnte auch wiederum das Wetter eine kleine Rolle gespielt haben. Es war für Oktober relativ warm (was mich normalerweise nicht sonderlich stört) und es wehte ein durchaus spürbarer Winde. Auf den ersten zwei Dritteln kam er von hinten oder von der Seite, im letzten Drittel, wo ich also schon fast auf dem Zahnfleisch ging, blies er einem dann von vorn entgegen.

Fazit

Der Lauf und das ganze Umfeld waren sehr schön, mit meiner Einteilung war ich sehr unzufrieden. So schnell anzugehen war ein bewusst in Kauf genommenes Risiko, was leider nach hinten los ging. Aber egal. Auch neu für mich war es, bei einem eher (mit 1000 TN auf der vollen Distanz nicht ganz so) kleinen Marathon durch eher ländlich geprägte Gegend an den Start zu gehen. Entsprechend leer war es auf und an der Strecke. Ich stehe ja eigentlich schon auf dichtes Zuschauerspalier, auf Bands und Party am Straßenrand. Das gab’s am Bodensee natürlich nur selten, was allerdings auch nicht wirklich überraschend war. Vielleicht war es also einfach der falsche Lauf, den ich mir für meine Bestzeit ausgesucht hatte. Etwas langsamer angegangen hätte ich ihn vermutlich trotz (oder gerade auch wegen) der genannten Bedingungen bis zuletzt genießen können.

6 Antworten auf „Sparkasse-Marathon im Dreiländereck am Bodensee“

  1. Tja, da sieht man eben gleich, dass die Leute, die als Presse fotografieren, etwas von ihrem Handwerk verstehen und nicht nur einfach drauflosknipsen. 😉

  2. Hallo Lajos,

    da mustest du zum Saisonabschluss noch mal richtig beißen, aber gräm dich nicht. Es ist einfach gigantisch was du in diesem Jahr abgeliefert hast: Doppel H, Ironman, Marathon, usw… einfach unglaublich. Wann beginnt deine Vorbereitung für Roth? Machst du jetzt eine längere Pause zur Regeneration? Ich hätte Sonntag Nachmittag noch ein Zeitfenster fürs Laufen anzubieten…
    Falls es mit Training nichts wird, plane ich am Samstag 14.11. am Spiegelberglauf in Brackwede teilzunehmen, vielleicht trifft man sich dort.

    Ich war heute morgen das erste mal seit 2 Monaten wieder schwimmen u. habe die Senioren im Ishara naß gespritzt…werde am nächsten Montag mal ein Schwimmtraining vom TSVE besuchen, mal schauen wie das da so ist. Ich glaube in der dunklen Jahreszeit könnte so ein fixer Termin in der Gruppe meine Motivation stärken. Außerdem interessiert es mich mal ein Feedback zu meinem Schwimmstil zu bekommen.
    Viele Grüße
    Heiko

  3. Hallo Heiko,
    die Pause mache ich gerade eher unfreiwillig (kleinere Verletzung nach Bodensee-Marathon, extrem viel Arbeit, Renovierung, Umzug, …), eigentlich will ich schon lange wieder Sport machen. Wenn ich heute mit meinem Programm halbwegs zügig durchkomme, könnte es immerhin heute Abend noch in den Wald gehen.
    Spiegelberg-Crosslauf klingt gut! Und an sich müsste ich auch Zeit haben, sofern nicht wieder irgendwelche unvorhersehbare Katastrophen passieren. Ist jedenfalls im Kalender notiert.
    Notier du dir auch mal den 20.12., Weihnachtscross in Borgholzhausen, http://www.lc-solbad.de. Das ist bei mir schon fast so etwas wie ein Lieblingslauf…
    Schöne Grüße
    Lajos

  4. Hallo Lajos,

    Weihnachtscross Borgholzhausen finde ich auch super. Da will auch auf jeden Fall mitmachen. Beim Spiegelberg habe ich eben gesehen, dass das 5 (?) Runden sind, finde ich persönlich nicht so toll, aber dann kann mir das Volk besser zujubeln…

    Also ich sag dann mal bis Samstag u. drücke die Daumen, dass es trocken ist.

    Viele Grüße
    Heiko

    P.S. Sonntag Vormittag plane ich bei trockenem Wetter eine lockere Radausfahrt mit einem Bekannten geplant. Wenn du Lust hast komm doch mit.

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